Gruppe älterer Menschen steht mit Ausrüstung in Kletterhalle
Die Ausrüstung beim Klettern dient in erster Linie der Sicherheit. Foto: DAV/Julian Rohn
Was brauche ich in der Halle?

Ausrüstung zum Indoorklettern

Lust auf Indoor-Klettern in der Halle? Welche Ausrüstung ihr beim Hallenklettern benötigt und was sonst noch nützlich sein kann, erfahrt ihr hier.

Klettern in Hallen erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit. Es ist längst keine reine Trainingsmöglichkeit mehr für Outdoorkletternde, sondern wird zunehmend von Sportler*innen aller Art als abwechslungsreiches und spannendes Fitnesstraining genutzt. Wichtig beim Seilklettern in der Halle ist, dass das verwendete Material nicht mehr der reinen Bequemlichkeit und Effizienz dient, wie beispielsweise die Sportbekleidung im Fitnessstudio, sondern einen Sicherheitsfaktor darstellt. Die richtigen Sicherungsgeräte, Seile, Gurte und Co. sind die Grundbausteine für eine verletzungsfreie Ausübung des Sports.

Sicherheitsrelevante Ausrüstungsgegenstände beim Hallenklettern sind:

1) Klettergurt

Ein Klettergurt hat die Aufgabe, die durch den Sturzzug und das Hängen im Seil entstehenden Kräfte möglichst gut auf den Körper zu übertragen. Grundsätzlich gilt, je breiter die Auflage, desto günstiger die Kraftverteilung. Die Hüftschlaufe ist bei allen Gurten verstellbar, damit man den Gurt nach dem Anziehen oberhalb der Beckenknochen festziehen kann. Die Beinschlaufen gibt es in verstellbarer und unverstellbarer Ausführung (elastische Elemente). Beim Klettern in der Halle ist der unverstellbare Gurt oft die leichtere und bedienungsfreundlichere Variante. Einige Gurtverschlusssysteme müssen für die korrekte Anwendung zurückgeschlauft werden. Entsprechende Warnhinweise auf den Gurten sollten darauf aufmerksam machen. Bei Hüftgurten mit Verschlussschnallen an den Beinschlaufen ist sorgsam darauf zu achten, dass diese korrekt auf der Außenseite der Oberschenkel zum Liegen kommen. Das Wichtigste beim Kauf eines Gurts ist die Passform. Sind die Beinschlaufen zu groß, kann ein Sturz in ungünstigen Fällen zu beträchtlichen Verletzungen führen. Zwischen Beinschlaufen und Oberschenkel sollte noch eine Hand passen, nicht viel mehr, aber auch nicht weniger. Der Gurt um die Hüfte sollte so eng gestellt werden, dass er oberhalb der Beckenknochen festsitzt und nicht nach unten rutschen kann. Ein Gurt hat dann die richtige Größe, wenn der Hüftverschluss soweit zugezogen werden kann, dass die Materialschlaufen auf beiden Seiten des Gurts symmetrisch zueinander an den Hüften liegen und die Polsterungen im vorderen Bereich des Gurts überlappen.

Aufbau eines Sportklettergurts. Illustration: Georg Sojer

2) Kletterseil für die Halle

Kletterseile sind sehr reißfest (ein neues Einfachseil hält ca. zwei Tonnen) und zudem elastisch, um die Fallenergie auf einer längeren Strecke aufzunehmen. Dies ermöglicht die Reduktion von Kraftspitzen auf das Material und die Kletternden. Als Kletterseil in Kletterhallen empfiehlt sich ein 50m-Einfachseil. Dieses muss an den vorgeschriebenen Seildurchmesser des Sicherungsgeräts angepasst sein. Halbseile und Zwillingsseile dürfen im Einzelstrang nicht im Vorstieg verwendet werden! Sehr dünne Einfachseile (< 9,2 mm) werden in der Halle aufgrund der geringen Seilreibung und Kletterdistanzen nicht benötigt und bergen oftmals eher ein Sicherheitsrisiko (verringerte Bremskraft). Das Ende des Kletterseils, das nicht verwendet wird, muss immer in einem geeigneten Seilsack verknotet sein! Freie Enden bei Seilen stellen ein enormes Sicherheitsrisiko dar, da beim Sichern oder Ablassen Blickkontakt zum*zur Kletternden und nicht zum Seilende besteht. In der Halle sollten immer geeignete Seilsäcke verwendet werden. Diese schützen das Seil vor Verschmutzung, die wiederum den Verschleiß von Umlenkungen und Sicherungsgeräten vorantreibt. Außerdem kann mittels eines Seilsacks das Seil schnell und ohne Knotenbildung von einer Tour zur nächsten transportiert werden.

Fürs Hallenklettern benötigt ihr ein Einfachseil in der Länge 50m (nicht zu dünn). Foto: VIS

3) Sicherungsgerät

Es lassen sich zwei Typen von Sicherungsgeräten unterscheiden: zum einen dynamische Bremsen wie Halbmastwurfsicherung (HMS), Achter und Tubes, zum anderen die halbautomatischen Geräte wie GriGri, Smart, Megajul u. a. Im ersten Fall wird die Handkraft durch die Bremskraft des Geräts schlicht verstärkt. Halbautomatische Sicherungsgeräte funktionieren hingegen wie Sicherheitsgurte im Auto: Nach kurzem Seildurchlauf blockieren sie – zumindest bei korrekter Handhabung. Der DAV empfiehlt Halbautomaten für die Sicherung beim Sportklettern in Kletterhallen. Sie bieten dort einen Sicherheitsvorteil gegenüber dynamischen Sicherungsgeräten. Wichtig für die Verwendung eures Sicherungsgerätes ist, dass ihr mit diesem vertraut seid und es zum verwendeten Kletterseil passt. Neue, dünne Kletterseile besitzen komplett andere Bremseigenschaften als alte, aufgeraute Kletterseile. Wie verschiedene Sicherungsgeräte richtig bedient werden, erfahrt ihr in diesen Videos.

Halbautomaten gibt es mittlerweile in den verschiedensten Ausführungen. Foto: VIS

Falls diese Ausrüstungsgegenstände in der Kletterhalle ausgeliehen werden, werden sie regelmäßig gewartet und auf Schäden überprüft. Allerdings kann man sich nicht immer Kletterausrüstung in den Hallen ausleihen! Bei regelmäßiger Ausübung des Sports sollte man sich eigene Kletterausrüstung zulegen. Persönliche Schutzausrüstung unterliegt einer vorgeschriebenen Nutzungsdauer und muss regelmäßig kontrolliert werden. Eine Richtlinie, wie sicherheitsrelevante Bergsportausrüstung gelagert und überprüft wird findet ihr im Artikel zur Nutzungsdauer von Bergsportausrüstung.

Beim Seilklettern in der Halle kommt es oft vor, dass sich die*der Kletterpartner*in nicht in der selben Gewichtsklasse befindet. Hierfür können weitere sicherheitsrelevante Ausrüstungsgegenstände notwendig sein. Eine Richtlinie, wie mit einem solchen Szenario umgegangen werden kann, findet ihr hier: Sichern mit Gewichtsunterschied. Ein Video dazu hier.

Kletterschuhe

Abseits der sicherheitsrelevanten Gegenstände sind geeignete Kletterschuhe beim Klettern notwendig. Hier können in vielen Kletterhallen gegen Gebühren Schuhe ausgeliehen werden. Wer allerdings regelmäßig eine Kletterhalle besucht, sollte sich ein eigenes Paar Kletterschuhe zulegen. Hier genügen für den Anfang Klettschuhe mit gerader Sohle (ohne Vorspannung), die eng aber noch relativ bequem sitzen. Das Klettern mit Straßenschuhen ist nicht nur deutlich schwerer - es ist aufgrund der Verschmutzung der Hallengriffe auch untersagt.

Neben diesen notwendigen Ausrüstungsgegenständen empfehlen sich außerdem folgende Utensilien für eine angenehmere Ausübung des Hallenkletterns:

Magnesium (Chalk)

... in seiner Form als Magnesiumcarbonat besitzt trocknende Eigenschaften auf der Haut und wirkt feuchten Händen entgegen. Da Klettern sehr anstrengend für die Finger ist, entsteht hier bei vielen Sportler*innen ein Schweißfilm, der sich auf die notwendige Reibung zu den Griffen negativ auswirkt. Hierfür kann Magnesium in sogenannten Chalkbags mitgeführt werden, um die Hände während der Klettertour zu trocknen. Hier sollte allerdings beachtet werden, dass offenes Magnesium in vielen Hallen aufgrund der zusätzlichen Staubbelastung verboten ist. Magnesium kann dann in Bällen aus Stoff, welche das Chalk nurmehr dosiert an die Haut abgeben, erworben werden.

Chalkbags sind eine nützliche Zusatzausrüstung beim Indoor-Klettern. Foto: DAV/Marisa Koch

Sonstige Ausrüstung

Die richtige Kleidung beim Seilklettern in der Halle: Robuste Sportbekleidung, die ausreichend Beweglichkeit zulässt, die Beine und Arme müssen ohne Einschränkung durch Kleidung in alle Positionen gehoben werden können. Bei weniger Routine empfiehlt es sich, Ellbogen und Knie zu bedecken (Gefahr von Aufschürfungen an rauen Hallengriffen). Zum Sichern und Pausieren kann eine Jacke/Pullover mit in die Halle genommen werden.

Da beim Sichern in der Halle permanent Sichtkontakt zur kletternden Person gehalten werden muss, sind sogenannte Sicherungsbrillen oft eine angenehme Zusatzausrüstung, um Nackenschmerzen nach dem Sport zu vermeiden. Sicherungsbrillen besitzen einen verbauten Spiegel, der ein Sichtfenster nach oben trotz geradem Nacken erlaubt. Das korrekte Sichern mit diesen Brillen bedarf allerdings Übung – Sichern im Vorstieg mithilfe von Sicherungsbrillen ist nur bei ausreichend Erfahrung (zum Beispiel Eingewöhnung beim Topropesichern) zu empfehlen. Gerade an die Einschätzung von Distanzen, das schnelle Seilausgeben und das richtige Verhalten bei Stürzen muss man sich erst gewöhnen.

Sicherungsbrillen können bei geschultem Umgang das Sichern in der Halle erleichtern. Quelle: DAV

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