Brünnsteinhaus im Winter mit Rodel und Blick ins Kaisergebirge
Das Brünnsteinhaus im Winter. Foto: Yvonne Tremmel

Der Alltag unserer Hüttenwirtsleute

Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Hüttenwirt*in sein - dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Wer mit dem Gedanken spielt, den Arbeitsplatz in die Berge zu verlegen, findet hier wichtige Informationen und Tipps!

Die Sektionen des Deutschen Alpenvereins besitzen rund 200 bewirtschaftete Hütten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Jede dieser bewirtschafteten Hütten benötigt Hüttenwirtsleute. Sie sind zuständig für die Bewirtung der Gäste und den Betrieb der Hütte. Die Hütten werden von den einzelnen hüttenbesitzenden Sektionen ausgeschrieben und vergeben.

Der Alltag auf der Hütte bringt nicht nur Arbeiten in einer einmaligen Umgebung mit sich, sondern auch viele unterschiedliche Aufgaben und Herausforderungen, die je nach Lage der Hütte verschieden sein können. Manche Hütten werden ganzjährig betrieben, andere haben nur in den Sommermonaten geöffnet. Viele Hüttenwirtsleute gehen daher in den Zeiten, in denen die Hütten geschlossen haben, anderen Beschäftigungen nach. Der Beruf ist fordernd und keinesfalls ein Aussteigertraum!

Einblick in die Praxis

Yvonne Tremml ist seit 2017, zusammen mit ihrem Mann Sepp, Hüttenwirtin auf dem Brünnsteinhaus am Fuße des Brünnsteins. Sabine Jauring bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann Thomas und ihrer Schwester Tini die Tutzinger Hütte unterhalb der Benediktenwand. Beide Hütten befinden sich in den bayrischen Voralpen und sind bei Familien und Wandernden sehr beliebt.

Wir haben Yvonne und Sabine gefragt, was ihnen an ihrem Beruf besonders gut gefällt, warum sie sich dazu entschieden haben, Hüttenwirtin zu werden und was man dafür mitbringen muss!

DAV: Was gefällt euch an eurem Beruf besonders gut?

Yvonne: "Dass man nicht mehr den Stress und die Hektik aus dem Dorf hat, dass man über den Dingen ist und die Probleme der Welt weit weg sind, dass man relativ frei und selbstbestimmt arbeiten kann, der Ausblick in die Berge jeden Morgen und die Ruhe am Abend - besonders nach einem anstrengenden Tag, die Natur außen rum, die vielen schönen Begegnungen und Erlebnisse mit anderen Menschen, die glücklichen und strahlenden Gesichter der Gäste, wenn es ihnen gefällt bzw. gefallen hat."

Sabine: "Die Eigenverantwortlichkeit am Tun und Handeln, der Umgang mit Menschen, arbeiten in der Natur, mit dem was uns Spaß macht, anderen Freude zu bereiten. Wenn unsere Gäste mit dem Aufenthalt auf unserer Hütte zufrieden waren, wissen wir, dass wir vieles richtig gemacht haben."

DAV: Warum habt ihr euch dafür entschieden, Hüttenwirtin zu werden?

Yvonne: "Weil die Möglichkeit bestand und genau diese eine Hütte zum Verpachten frei wurde - eine andere als die auf unserem Hausberg hätten wir nicht gewollt und weil es deshalb irgendwie so sein sollte. Sepp war schon seit seiner Kindheit hier heroben und hat auch schon öfter mitgeholfen gehabt und ich kenne das Brünnsteinhaus auch schon ewig und hatte hier auch schon mal einen Sommer lang gearbeitet und öfter ausgeholfen."

Sabine: "Es ergab sich die Möglichkeit im Leben nochmal was völlig neues zu starten, wir können an einem der schönsten Orte arbeiten und sind weg vom PC im Büro."

DAV: Welche Fähigkeiten und Eigenschaften muss ein*e Hüttenwirt*in mitbringen?

Yvonne: "Handwerkliches Geschick, Kreativität, lösungsorientiertes und pragmatisches Denken, Begabung und Leidenschaft zum Kochen – wenn man keinen Koch findet – Liebe im Umgang mit den anderen Menschen, Flexibilität und auch noch ganz wichtig: Geduld und Gelassenheit."

Sabine: "Hüttenwirte sollten die absoluten Allrounder sein, Um hier nur einige Beispiele aufzuzeigen, sollte ein Hüttenwirt: belastbar, sehr flexibel, ein absoluter Individualist, Psychologe, Techniker, Verwaltungs- bzw. Betriebswirt, Berater und Zuhörer sowie vor allem der sein, der für alles immer eine Lösung hat."

Thomas, Sabine und Tini - die Wirtsleute der Tutzinger Hütte, Foto: DAV

Voraussetzungen und Eigenschaften von Hüttenwirtsleuten

  • Identifikation mit den Grundsätzen und Zielen des Deutschen Alpenvereins

  • Bereitschaft zur Repräsentanz der jeweiligen Sektion nach "außen"

  • Verantwortungsvolle Führung und Umgang mit Mitarbeitenden

  • Fundierte gastronomische Kenntnisse und Fähigkeiten

  • Service- und dienstleistungsorientierte Einstellung

  • Unternehmerisches Denken und Handeln

  • Betriebswirtschaftliche Ausbildung

  • Praktische Erfahrung im "Hüttenbetrieb" (Tipp: Einfach mal eine/mehrere Saisonen auf einer Hütte mitarbeiten!)

  • Technische Kompetenz zur Bedienung von Ver- und Entsorgungsanlagen

  • Handwerkliches Geschick für die Ausübung kleinerer Reparaturen

  • Erfahrung/Ausbildung in Bergrettung und Erste Hilfe

  • Erfahrung im alpinen Umfeld

  • Berg-/Naturverbundenheit

Bewerbungstipps

Offene Pachtstellen der Alpenvereinshütten werden auf der DAV Homepage ausgeschrieben. Wer sich für eine aktuell ausgeschriebenen Hütte interessiert, sendet eine Bewerbung mit aussagekräftigen Angaben zum skizzierten Pächterprofil an den jeweils angegebenen Kontakt (meistens die zuständige Sektion). Sehr gerne auch Partnerbewerbungen, da das geforderte Knowhow sehr breit gefächert ist und von zwei Personen besser abgedeckt werden kann.

Die Ansprechpersonen stehen euch bei Fragen zur Verfügung und helfen, euch ein genaueres Bild von der Hütte zu machen. Sollte kein passendes Pachtobjekt dabei sein, könnt ihr eure Initiativbewerbung an folgende Emailadresse senden:  Huetten[Punkt]Wege[Klammeraffe]alpenverein[Punkt]de

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