So geht das

Tourenplanung in Zeiten von Sommergewittern

Egal ob Sommer oder Winter – die aktuellen Wetterverhältnisse sind bestimmend für alle bergsteigerischen Schauspiele. Damit daraus keine Tragödie wird, müssen Tourenwahl, -länge und -schwierigkeiten gut auf Wetterverlauf und -prognose abgestimmt sein.

Das Abrufen der Wetterprognosen gehört zum Standard der Tourenplanung wie das Packen des Rucksacks. Dank Wetterapps mit Ortswetter-Suche und omnipräsentem Web-Zugang ist das mittlerweile denkbar einfach. Die Wetterberichte der offiziellen meteorologischen Institute wie ZAMG oder DWD sind besonders zu empfehlen. Besonders hilfreich: Für Alpenregionen ausgelegte Prognosen wie das DAV Bergwetter, welches spezielle, fürs Bergsteigen wichtige Zusatzinfos (z.B. Nullgradgrenze) bieten. Zusätzliche Aussagen über die Großwetterlage bei entsprechendem Wissen außerdem nützlich sein. Generell gilt: Je kurzfristiger eine Wettervorhersage ist, desto verlässlicher ist sie. Prognosen über mehr als fünf Tage hinaus sind hinsichtlich Eintrittswahrscheinlichkeit nicht viel valider als Würfeln. Daher: Direkt vor der Tour immer einen letzten Wettercheck machen.

Tourenplanung im Sommer: Wärme- und Frontgewitter sind ein Thema. Illustration: Georg Sojer
Wer das Wetter bei der Tourenplanung und unterwegs falsch einschätzt, kann schnell in gefährliche Situationen geraten. Illustration: Georg Sojer

Wetterlagen

Tief mit Frontdurchzug – In den frühen Jahren des Alpinismus wurden Bergsteigende von der Kaltfront eines Tiefs häufig überrascht, was oft genug zu Tragödien führte. Mittlerweile sind Tiefs und ihre Zugrichtung sehr gut auf Tage hinaus vorhersagbar. Typisch ist der Durchzug von Warmfront und Kaltfront – meist unterbrochen vom Warmsektor. Die Warmfront bringt im Sommer häufig nur geringe Niederschläge, der folgende Warmsektor bietet oft passables Bergwetter, das aber selten länger als einen halben Tag Bestand hat und oft etwas trügerisch ist. Darauf folgt die Kaltfront, mit deren Durchzug Temperaturstürze, massive Niederschläge, Gewitter, Wind und niedrige Bewölkung einhergehen. Typischerweise hält diese eklatante Wetterverschlechterung auch einige Tage an – also eher nichts zum Aussitzen. Ist ein Tiefdruckgebiet mit Kaltfrontdurchzug vorhergesagt, muss dies unbedingt ernst genommen werden. Anspruchsvolle oder lange Touren ohne Rückzugsmöglichkeiten sind tabu, ein Ersatzprogramm oder genügend Hüttenspiele sollte man einplanen.

Wärmegewitter (siehe auch So funktioniert ein Gewitter) ziehen normalerweise keine generelle Wetterverschlechterung nach sich. Häufig herrscht nach einem heftigen Wärmegewitter eitel Sonnenschein. Leider ist das lokale Auftreten durch den Wetterbericht schlecht prognostizierbar. Typischerweise treten sie am frühen bis späten Nachmittag auf. Früh los und früh zurück lautet also die Devise: Kürzere Touren anvisieren und so planen, dass exponierte Stellen (Gipfel, Grate) ab Mittag im Zeitplan nicht mehr vorkommen. Die Wolkenbildung sollte man über den Tag immer im Blick haben. Je früher Quellwolkenbildung beginnt, umso wahrscheinlicher die Gewitterbildung. Bereits bei der Tourenplanung sollte man berücksichtigen, ob unterwegs die Möglichkeit eigener Wetterbeobachtung besteht. In engen Karen oder gar steilen Wänden bekommt man häufig gar nicht mit, was sich um einen zusammenbraut.

Bei Föhnlagen herrscht auf der einen Seite der Alpen (z.B. Südseite) miserables Wetter (Staulage), während sich auf der anderen (z.B. Nordseite) bestes Bergwetter mit den föhntypischen starken, aber warmen Winden präsentiert. Es gilt also auf der richtigen Seite der Alpen unterwegs zu sein. Föhnwind und Lufttemperatur können aber für hitzeempfindliche Personen belastend werden. Zudem kann der starke Föhnwind an ausgesetzten Graten unangenehm bis gefährlich werden – diese besser meiden. Föhnlagen halten nur wenige Tage an, bis das ursächliche Tief sich auf den gesamten Alpenbogen auswirkt. Bei der Planung von Mehrtagestouren sollte man sich also nicht darauf verlassen, dass man die ganze Zeit auf der „richtigen“ Alpenseite ist. 

Eine stabile Hochdrucklage ist das, was sich jeder Bergsteiger für seine geplante Tour wünscht. Doch auch hier sollte man ein Auge auf Temperaturentwicklung und Gewitteranfälligkeit haben. Hohe Temperaturen können auf südseitigen, schattenfreien Anstiegen eine gewaltige Herausforderung für den Kreislauf darstellen. Im hochalpinen Gelände sorgen sie für zunehmende Ausschmelzung von Gletschern und daraufhin erhöhte Steinschlag- und Spaltensturzgefahr. Im Zweifelsfall gilt auch hier: früh los, früh zurück. Vermeiden von sonnenexponierten An- oder Abstiegen zur Mittags-und Nachmittagszeit, Sonnenschutz und ausreichend Getränke mitnehmen. 

Wetterhistorie – vergangene Extremwetterereignisse wie Starkregen oder orkanartige Stürme sind ebenfalls in die Tourenplanung miteinzubeziehen. Häufig werden vermeintlich einfache Bergwege durch Muren, Felsrutsche oder umgestürzte Bäume deutlich erschwert oder unpassierbar. Dafür lokale Informationsquellen (Hüttenwirt*in; Bergführer*in ...) anzapfen. War ein Winter niederschlagsarm (wie z.B. der vergangene Winter) sollte das alle Hochtouristen alarmieren: Spalten können unüberwindbar, Gletscher aper und die Steinschlaggefahr erhöht sein. Generell gilt je anspruchsvoller das alpine Unterfangen (Hochtour, Alpinklettern, extremeres Bergsteigen), desto wichtiger ist nicht nur die Wetterprognose, sondern auch die Wetterhistorie. Wie bei jeder Tourenplanung müssen Eigen- und Gruppenkönnen und -ausrüstung, Anspruch der Tour und Verhältnisse stimmig zusammenpassen. Für letzteres ist das Wetter der beeinflussende Parameter – den es stets zu beachten und bewerten gilt.

Tipps:

  • Immer aktuellen Wetterbericht einen Tag vor der Tour einholen

  • Länge, Schwierigkeit und Exposition auf Wetterbedingungen anpassen

  • Bei prognostiziertem Kaltfrontdurchzug keine Touren unternehmen

  • Bei drohendem Wärmegewitter: Früh los, früh zurück und Puffer einplanen

  • Wetterverlauf und -historie beachten

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