Mann bei der LVS-Suche
Die Feinsuche beginnt ab Anzeigewerten kleiner als 3-5 Meter. Foto: DAV SiFo

LVS-Geräte-Test 2022

Gefunden werden leicht gemacht?

Die Mitnahme eines modernen Lawinenverschütteten-Suchgerätes (LVS) abseits der gesicherten Pisten ist Pflicht und gehört zusammen mit Schaufel und Sonde zur Standard-Notfallausrüstung. Seit dem letzten LVS-Überblick 2017/18 sind fünf Jahre vergangen. Die DAV-Sicherheitsforschung hat nun die aktuellen Geräte unter die Lupe genommen.

Der Test fand im März 2022 statt. Um für alle Testgeräte ähnliche Bedingungen zu erreichen, wurde jedes Testkriterium mit allen Geräten hintereinander durchgeführt. Die Geräte wurden sowohl hinsichtlich ihres Verhaltens in den Suchphasen (Signalsuche, Grobsuche, Feinsuche), als auch bezüglich ihrer Leistungsmerkmale bei einer Mehrpersonen-Verschüttung (MPV) überprüft. Eine einheitliche Bewertung dieser Hauptkriterien ist in der Bewertungstabelle (350kb) zu finden.

Weitere Infos und die Bewertung der einzelnen Geräte gibt es auf unserer Übersichtsseite.

Über die Bewertungskriterien der Suchphasen und -szenarien hinaus haben wir auch die mittlerweile standardmäßig integrierte Gruppencheckfunktion überprüft und einen Blick auf die Gebrauchstauglichkeit der Geräte geworfen.

Das Vorgehen im Test und bei der Bewertung ist bei den Testkriterien genau erläutert. Jedes einzelne Kriterium wurde in fünf Klassen, von sehr gut über akzeptabel bis mangelhaft, bewertet. Bei den einzelnen Geräte-Beschreibungen finden sich detaillierte Informationen, Testergebnisse sowie Tipps für die Nutzung. Die Tabelle zu den Technischen Details (250kb) liefert eine Übersicht Gerätedaten und zu Spezialfunktionen.

Kenntnis des eigenen Geräts ist das A und O

Personen, die innerhalb der ersten 15 Minuten nach Verschüttung ausgegraben wurden, überlebten einen Lawinenabgang mit Ganzverschüttung zu 85 bzw. 90 Prozent (s. Studie Burial duration, depth and air pocket explain avalanche survival patterns in Austria and Switzerland. Resuscitation, 105, 173-176). Aus Feldversuchen (s. Artikel Effizienz der Kameradenrettung bei minimalem Training. In: Bergundsteigen 1/09) ist erkennbar, dass auf einem durchschnittlichen Suchfeld bereits vier Minuten vergehen, bis die Suchphasen Signalsuche bis Feinsuche (50 Prozent davon Feinsuche!) beendet sind. Noch einmal 3,5 Minuten kommen durch das Sondieren hinzu. Es bleibt also nicht mehr viel Zeit für das Sammeln & Organisieren sowie das Ausschaufeln und Bergen! Gut, wenn man mit dem eigenen LVS-Gerät vertraut ist und es in den Suchphasen ohne Macken funktioniert.

Schon seit Langem bieten manche Hersteller neben ihrem „Top-Gerät“ ein oder zwei günstigere, „abgespeckte“ Versionen an. Diese Geräte haben in der Regel weniger Spezialfunktionen oder eingeschränktere Möglichkeiten bei der individuellen Anpassung (Akustik, Anzeige, etc.). Sie richten sich insbesondere an Gelegenheitswintersportler*innen, die etwas weniger ausgeben möchten oder die nicht die nötige Übungsroutine aufbringen, um mit den Zusatzfunktionen der Top-Geräte auch im Ernstfall souverän umgehen zu können.

Technische Raffinessen sind keine Lebensversicherung

Die verwendete Drei-Antennen-Technologie der Modelle hat den Markt komplett durchdrungen (siehe „Gerüstet für den Fall der Fälle“ aus Panorama 1/22). Dadurch, dass die meisten der aktuellen LVS-Geräte updatefähig sind, lohnt es sich, das Gerät regelmäßig auf die Aktualität der Software hin zu überprüfen und updaten zu lassen. Mittlerweile bieten ein paar Hersteller auch unterschiedlich umfangreiche mobile Applikationen an, über die z.B. der Softwarestatus überprüft oder sogar aktualisiert werden kann. Zudem bieten alle Hersteller eine Verlängerung der Garantiezeit bei Registrierung auf deren Homepages an. Wer bereits ein älteres Drei-Antennen-Gerät besitzt, kann dieses am besten im Sommer vom Hersteller auf Fehlerfreiheit hin überprüfen lassen (Wartungsintervalle in technischer Tabelle). Vor allem Tourenleiter*innen und Sektionen mit Geräteverleih sollten von diesem Angebot in regelmäßigen Abständen Gebrauch machen!

Trotz aller technischen Raffinessen muss klar sein: Noch wichtiger als das obligatorische Beherrschen des eigenen LVS-Geräts und die Anwendung der effizientesten situationsabhängigen Suchstrategie (abhängig von z.B. Größe der Lawine; Anzahl der Suchenden/Schaufelnden im Vergleich zu den Verschütteten und der Verschüttungstiefe) ist eine den Verhältnissen, dem eigenen Können und der Erfahrung angepasste Tourenauswahl und adäquates Risikomanagement auf Tour. Denn: die beste Lebensversicherung ist, gar nicht erst in eine Lawine zu geraten!

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